Tioh's Fursuit-Bauanleitung
aus Fursuit.de, der freien Wissensdatenbank
Folgendes ist eine Zusammenstellung aus meinen Fursuit-Bauanleitungen. Für einige Arbeitsschritte stelle ich verschiedene Umsetzungs-Möglichkeiten vor. Die Bilder gehören zu verschiedenen Fursuits. English translation
Inhaltsverzeichnis |
Material für einen Fursuit-Kopf
Einige Posten der nachfolgenden Einkaufsliste reichen für mehr als einen Fursuit. Kleiner Mengen der Materialien sind allerdings meistens nicht im Handel erhältlich. Die Materialien sollten zusammengenommen nicht mehr als 60 Euro kosten, baut man mehrere Fursuits, so wird es billiger, da man nicht alles neu kaufen muss.
Baumarkt (z.B. Toom, Obi, Hagebau,...):
- Plastikgitter (Marley Laubstopp zur Regenrinnenabdeckung, 2m)
- Kabelbinder (kurz und dünn, 200 Stück)
- Hosengummi (Gummiband 5mm x 10m)
- Alu-Profil (100x14x2mm)
- Alu-Stange (100x6mm)
- Schaumstoff-matte oder Filterschaum für Aquarien (50x50x1cm) - nicht unbedingt nötig, man kann auch die ganze Kopfform aus Plastikgitter bauen
Nähbedarf:
- Schrägband schwarz (Satin, bzw. Farbe der Lippen)
- Kordel (5mm dick, ein Meter lang)
- Druckknöpfe 9mm (6-12 Stück)
- Druckknöpfe 21mm (1-3 Stück)
- Nähgarn (eine Rolle festes Garn) oder Sternzwirn (3-5 Sterne a 20m)
Bastelladen, Dekogeschäft, Schreibwarengeschäft,...:
- Windradfolie in der Farbe der Pupillen der Augen
- Fimo Soft (2x schwarz bzw. Zahnfleischfarbe, 1x weiss für die Zähne) - oder Plaast [1] und Pigmente
- Durchsichtige Plastikhalbkugeln (2 Kugeln 5-6cm Durchmesser)
- Fensterfarbe schwarz (Konturfarbe)
- Fensterfarbe weiss - oder weisse UV-Farbe
- Rostfreier Stahldraht (1mm x 1m)
Werkzeuge
- Strapazierfähige Schere mit möglichst gewellter oder gezackter Schneide (damit das zu schneidende Material nicht weg rutschen kann), zum Schneiden des Plastik-Gitters
- Kombizange zum Biegen, Abzwicken (und evtl. Brechen) der Alu-Profile und des Stahldrahtes
- Kleine spitze Schere oder Seitenschneider zum Abzwicken der Kabelbinder und Schneiden der Windradfolie
- Skalpell mit mehreren Klingen (oder einem Wetzstein) zum Schneiden des Kunstfells
- Schere zum Trimmen des Kunstfells (gut geeignet ist eine Ausdünn-Schere, da man deren Schnitte nicht so stark sieht)
- Nähnadel
- Zirkel zum Anzeichnen der Pupillen
- Bohrmaschine oder Dremel mit 1-2mm Bohrer (nicht unbedingt nötig - es geht auch ohne zu bohren)
- Nähmaschine oder Overlock (nicht unbedingt nötig - kann man auch alles per Hand nähen)
- Heißklebepistole (nicht unbedingt nötig - es geht auch ohne Heißkleber)
Die Konstruktion des Kopfes
Meinen ersten Fursuit-Kopf habe ich aus engmaschigem Drahtgitter gebaut. Die hat zwar das gewünschte Resultat gebracht, war jedoch sehr Zeitaufwendig. Vor allem die Verletzungsgefahr durch Drahtenden musste ausgeschlossen werden. Seit meiner dritten Fursuit benutze ich Aluminium-Profil und Plastk-Gitter, das viel einfacher zu bearbeiten ist und eine wesentlich schnellere Arbeitsweise zulässt.
Grundform
Zuerst wurde ein Aluminium-Profil in Kopfform gebogen. Dabei sollte dies nicht zu eng anliegen um für Schaumstoffeinlagen oder auch Kühlpackungen Platz zu lassen.Man darf dabei nicht vergessen das außen Fell auf die Struktur kommt - es also größer wird. Es passiert sehr leicht das der Kopf zu groß wird und in Verhältnis zum Körper riesig aus sieht. Um die Proportionen gut überprüfen zu können habe ich deshalb die Schnauzen-Größe gezeichnet, die passend wäre wenn sie direkt an meinem Kopf angebracht wäre.
Ins Alu-Profil werden Löcher gebohrt und daran das Plastik-Gitter befestigt (oder noch einfacher ist es das Plastikgitter mit Hosengummi fest zubinden). Die Befestigung erfolgt am besten mit nicht-rostenden Materialien (Angelschnur, Hosengummi, Kabelbinder...). Dabei sollte darauf geachtet werden, das es nach innen möglichst glatt wird, d.h. verwendet man beispielsweise Hosengummi, so sollte dieser im Kopf nicht verdreht werden.
Die Alu-Profile sind eigentlich nicht notwendig. Es ist damit einfacher die Grundform festzulegen. Diese Versteifung der Struktur kann auch mit anderen Materialien erreicht werden (z.B. Heißkleber oder Polycaprolacton). Der fertige Kopf ist auch ohne weitere Verstärkung stabil genug, wenn die einzelnen Plastik-Gitter-Stücke richtig miteinander verbunden wurden.
Daran wird das Gitter (zunächst von hinten bis zur Stirn) befestigt und dieses seitlich so eingeschnitten, dass es sich zur Kopfform biegen lässt. Zwei kleinere trapezförmig zugeschnittene Gitter - an der Stirn angesetzt - (jeweils über jedem Auge) und auf Höhe der Nasenspitze (am Aluminium-Profil) bilden die Augenhöhlen. Die dienen zur Aufnahme der Augen mitsamt der Augenlider. Durch den Winkel der Befestigung und den Abstand von der Mitte kann man verschiedene Kopfformen realisieren.
Eisbär
Ober- und Unterkiefer
Den Oberkiefer bildet ein oben aufgelegtes Gitter (vorn nicht befestigt, um den Oberkiefer zum Zähne fletschen anhebbar zu machen) und einige Kabelhalter, um die spätere Form festzulegen. Ein Gummiseil bestimmt den unteren Rand des Oberkiefers. Die Seiten der Schnauze wurden danach mittels Moosgummi in eine gleichmäßige Form gebracht (am Gitter und am Gummiseil angenäht).
Augen
Die Augen bestehen aus durchsichtigen Plastik-Halbkugeln. In die Halbkugel der Augen wurde eine durchsichtige Plastikfolie mittels Fenstermalfarbe eingeklebt und die Seiten ebenfalls bemalt.
Die Augen wurden so eingepasst, das die Brille in diesen Platz findet. Der Abstand Brille-Plastikhalbkugel ist seitlich weniger als 5mm. Die Brille berührt jedoch an keiner Stelle.
Augenlider
Die Augenlider bestehen aus zwei Teilen. Einem Aluminium-Bügel, der halb rund gebogen wurde - etwas größer als das Auge - und aus Bastelfilz, der nass gemacht und mittels eines Auges als Form getrocknet wurde. Um den Bastelfilz wasserfest zu machen wurde dieser auf der Außenseite mit flüssigem Plastik überzogen.
Leichtgängige Augenlider können auch sehr einfach aus Polycaprolacton geformt werden:
Bewegliches Augenlid aus Polycaprolacton geformt |
Dieses Material ist sehr glatt und bleibt nicht am Auge hängen.
Zähne
FIMO ist einfach zu modellieren und kann im Backofen ausgehärtet werden. Mittels der Kopf-Grundform wurden Papier-Schablonen für Ober- und Unterkiefer erstellt. Auf dieser Basis wurde ein Aluminium-Blech zugeschnitten und mit Fimo überzogen (dient zur Verstärkung). Auf diese Grundplatten wurden danach die Zähne modelliert.
Plastik mit niedrigem Schmelzpunkt Polycaprolacton kann ebenso für Zähne, Augenlider und Zunge verwendet werden. Es kann nachträglich leichter bearbeitet werden (es ist durch erneutes erwärmen wieder modellierbar). Bohren, Schleifen und lackieren ist ebenso möglich.
Nase
Wie die Zähne kann auch die Nase aus FIMO modelliert werden. Dabei kann man sehr leicht verschiedene Oberflächen-Effekte erziehlen.
Die Nase meiner ersten hatte ich aus Draht gebogen und mit Glasmalfarbe überzogen. Diese Bauweise hatte einen kleinen Nachteil. Die Nase blieb formbar. Als sie zu stark gedrückt wurde verformte sich die Glasmalfarbe - fast wie Kaugummi.
Damit die Nase nicht zu schwer wird sollte so wenig Fimo wie möglich verwendet werden. Am Besten alles nicht dicker als 5mm. Man kann mittels Schnitzwerkzeug auch noch Material an der Innenseite der Nase nach dem Aushärten entfernen.
Beim Aushärten verformen sich zu dünne Strukturen leicht. Um dem vorzubeugen kann Alu-Folie als Untergrund zum Modellieren verwendet werden. Diese kann auch problemlos mit zum Aushärten in den Ofen.
Ohren
Ohr aus Stahldraht, welcher an Servo-Motoren befestigt wurde.
Dieses Ohr besteht aus einem Keilriemen, der mit drei Alu-Rohren versteift wurde (jeweils am Ansatz und in der Mitte). Ein Zugseil führt an die oberste Spitze. Gummiband hält des Ohr un der Grundform. Beim Ziehen am Seil knickt das Ohr an der nicht verstärkten Stelle ein.
Elektronische und mechanisch Extras
Mindestens ein Ventilator sollte eingebaut werden um die erwärmte Luft abführen, bzw. Fischluft hinein blasen. Aus Plastik-Halbkugeln gebaute Augen beschlagen sehr leicht. Ohne Ventilator wird deshalb die Sicht schnell trübe. Gut geeignet sind leise Lüfter aus dem PC-Bedarf. Es sollte darauf geachtet werden, das der Lüfter keinen zu großen Batterieverbrauch hat. Einen guten Radiallüfter (ich benutze Nidec Gamma 28) kann man mit einer 9V-Batterie beispielsweise einen ganzen Tag betreiben.
Fell-Befestigung am Kopf
Es gibt verschiedene Methoden das Grundgerüst mit dem Fell zu verbinden - die gebräuchlichste ist Heißkleber. Mit Heißkleber kann man sehr schnell arbeiten, er bringt allerdings ein gewisses Verletzungsrisiko mit sich (Brandblasen) und bei zu ungenauer Arbeitsweise entstehen leicht unschöne Ränder. Die feste Verbindung zum Untergrund hat einen Nachteil: Waschbar ist der Kopf nicht.
Deshalb versuche ich - wenn ich die Zeit dafür habe - auf den Einsatz von Heißkleber zu verzichten. Das bedeutet im einzelnen:
- Genaues Schnittmuster für den Kopf erstellen (mit Heißkleber lässt sich viel durch Verziehen der Fell-Teile ausgleichen)
- Fell vernähen (Handarbeit, da die Teile mit unter sehr klein sind)
- Offene Ränder des Fells mittels Schrägband verstärken und Gummibänder ein nähen
- Druckknöpfe an Kopf und Fell befestigen
Schaumstoff-Polster
Um die Waschbarkeit des Fursuits zu gewährleisten empfiehlt es sich Polster getrennt vom Fell anzufertigen, oder diese zumindest leicht entfernbar zu machen.
Polster / Paddings
Der Körper
Ich beginne den Fell-Zuschnitt für den Körper - wenn ich mehr als zwei Fell-Farben benutzen will - mit einer Skizze.
Es folgt der Zuschnitt es Fells. Nachfolgendes Bild zeigt die einzelnen Arbeitsphasen bis zur Grundform des Bodys (ohne Ärmel).
Bei mehrfarbigem Fell zeichne ich die Schnittkanten in das Schnittmuster um die passende Länge zu bestimmen. Für die genaue Anpassung an meinen Körperbau benutze ich eine Schneiderpuppe.
Dazu auf das Fell - bündig zur Schnittkante - Schrägband aufnähen. Schrägband vom Fell weg klappen. Reißverschluss auf Schrägband aufnähen (Zähne der Reißverschlusses stoßen am Fell an). Schrägband nach hinten (zur Rückseite des Fells) umklappen und per Hand annähen (nur auf der Rückseite nähen - die Naht dabei nicht zu stark spannen).
Die Handschuhe
Billiger sind Stoffhandschuhe, diese werden allerdings leichter schmutzig. Man hat allerdings mehr Gefühl in den Fingern (wichtig wenn man beispielsweise im Suit zeichnen will). Eine weitere Alternative sind Handschuhe aus Lycra. Ich benutze am liebsten Arbeits-Handschuhe mit Leder-Griffläche (von FerdyF). Damit kann ich problemlos meine Kamera bedienen oder beispielsweise ein Touchpad benutzen.
Die Hinterpfoten
Sehr strapazierfähige Pfoten kann man aus einer Absatzplatte (erhältlich im Schusterbedarfs-Handel oder bei eBay) bauen, wenn man diese zuschneidet, die Ecken abrundet und mit einer 5mm Gummimatte überzieht.
Auf der Absatzplatte wurden gefütterte Hausschuhe mit Gummikleber aufgeklebt und der verbleibende Abstand zum Rand mittels Schaumstoff gefüllt. Am äußeren Rand der Sohle wurde dann ein 10 cm breiter Stoffstreifen angenäht und dieser durch weitere Nähte in die Form der Zehen gebracht. Wie beim Kopf dienen Papierstücke – mit Nadeln festgesteckt und entsprechend zugeschnitten – als Vorlagen für den Zuschnitt des Fells.
Der Tail
Fussels, Erios und Skavens Rute entstanden aus Fahradschläuchen. Diese wurde durchgeschnitten und an einer Seite mit selbst-vulkanisierendem Kleber verschlossen. Auf der anderen Seite wurde ein Ventil eingeklebt. Ein Gummiband sorgt für die richtige Krümmung. Diese Rute ist leicht, gut zu transportieren (die Luft kann man ja ablassen) und sehr beweglich (darauf sitzen macht nichts kaputt).
Ein dickerer Schweif kann auch mit einem ganzen Fahrradschlauch ausgestopft werden.




